„Sichten“ - eine neue Produktion vom Tanzufer Bregenz 2009.
Eine Performance, die Tanz, Schrift, Musik und Fotografie auf neuartige Weise gegenüber
stellt und sich im Rahmen einer Aufführung der Öffentlichkeit präsentiert. Die räumlich
schlichte Vorgabe der Galerie Lisi Hämmerle bildet den Rahmen und gleichzeitig die Bühne
für „Sichten“.
Spärlich verteilte, einfache Glasobjekte setzen eigenwillige Akzente und unterteilen den
Raum. Die Tänzerin vervielfältigt Bewegungssequenzen in einer dichten zeitlichen Abfolge
und setzt räumliche Impulse im Spiel von Nähe und Distanz. Der Musiker nutzt eine Vielzahl
an Klängen unterschiedlichster Klangobjekte, und die dabei entstehenden musikalischen
Themen finden rhythmische und formale Entsprechung im Tanz. Rhythmus, Formensprache
und eine direkte Expressivität sind Elemente die als Schnittpunkte im Zusammenwirken von
Musiker, Tänzerin und Schriftkünstlerin auftauchen.
Schrift als Verbindung freistehender Zeichen, die in direkter Beziehung zur Bewegung des
Tanzes steht und sich in eigene Form überträgt. Schriftzeichen und Texte verdichten die
Tanz- und Musikkomposition und übersetzen diese in eine eigene, lesbare Form. Die
Schriftflächen eröffnen in den entstehenden Sequenzen den Blick auf die gleichzeitig
ablaufende Aktion des Schreibens und die Entstehung eines Textes.
Die Idee einer weiteren Zusammenarbeit von Peter Madsen, Herta Spiegel und Ursula
Sabatin (nach den Projekten „Quartette“ / „Still hinhören Stille“ / „Following Tattel Tales“,
2001 – 08) folgte dem Bedürfnis, die experimentelle Arbeitsweise fortzuführen und an einer
Verbindung ihrer individuellen Ausdrucksformen zu arbeiten. Die Grundlage basiert auf
„Instant Composition“, einer Methode, entworfenes Material in der aktuellen Situation zu
entwickeln und gegenwärtig komponieren und choreografieren zu können.
Die Fotografin Melanie Büchel ist seit der Produktion „Still hinhören Stille 2008“ im
künstlerischen Team von Tanzufer mit dabei. Sie ist eine Erzählerin, die mit ihrer Kamera
besondere Momente und fragile Einsichten freigibt. Ihre Dokumentation des Tanzes und der
Bewegung geht über das nur Festhalten, Fixieren und Erinnern hinaus. Die Fotos schaffen
parallel zu Schrift und Text für den Zuschauer eine weitere Übertragungsebene. So wie sich
die Tänzerin über Körpersprache und Ausdruck – Distanz und Nähe – darstellt, wird durch
den Fokus der Fotografin auf Nah- und Fernsicht das Thema „Sichten“ im Bild verdeutlicht.
In der Performance wird bereits erarbeitetes Material erneut hervorgeholt, einbezogen und
mit der aktuellen Situation und dem Stand der eigenen Betrachtungsweise verbunden. Die
Aktionen in der Performance etablieren sich beim Zuschauer in erster Linie als Eindruck und
gleichzeitig entstehen Bilder im Raum, die sich in einer stetig veränderten und komplexen
Bilderwelt erschließen. |